Vestibulärorgan

 

Neben den 5 klassischen Sinnen (Licht-, Gehör-, Geschmack-, Geruch- und Hautsinn) gibt es noch eine Reihe anderer Sinne, wie den Gleichgewichtssinn, den Muskellagesinn und andere.

„Der Gleichgewichtssinn gibt Informationen über die Körperlage im Raum und ist damit Teil des Regelkreises, der das Gleichgewicht des Körpers einstellt.“ (Bartels, 2001, S. 275)

Die Sinnesrezeptoren liegen in der Nähe des Hörorganes. Sie sind in Säckchen (Sacculus) und kleinen Schläuchen (Utriculus) angeordnet.

 

 

Gleichgewichtsorgan (Bartels, 2001, S. 276)

 

Die Rezeptoren im Utriculus können die Lage des Kopfes und lineare Beschleunigungen registrieren, wobei die Rezeptoren in den Bogengängen auftretende Winkelbeschleunigungen messen können.

 

Bestimmung der Lage des Kopfes und linearer Beschleunigungen:

Bei aufrechtem Stand bewirken kalkhaltige Körnchen (Stalolithen) eine Abscherung der Sinneszellen, welche dabei erregt werden. Ändert sich die Lage des Körpers, so ändert sich auch die Abscherung, wodurch andere Informationen an die motorischen Zentren weitergegeben werden.

Die Muskelgrundinnervation (Tonus), die ausgenommen vom Schlaf dauernd vorhanden ist, geht ebenfalls hauptsächlich von den Rezeptoren des Utriculus aus.

 

 

Erregung eines Sinnesrezeptors (Bartels, 2001, S. 276)

 

Bestimmung der Winkelbeschleunigungen:

Mittels drei in den Raumebenen angeordneten Bogengängen werden Winkelbeschleunigungen wahrgenommen. Die Bogengänge sind mit Flüssigkeit (Endolymphe) gefüllt und besitzen eine Erweiterung (Ampulle), in der sich die Sinneszellen befinden.

 

Bogengangsrezeptor (Bartels, 2001, S. 277)

 

Bei auftretender Winkelbeschleunigung werden aufgrund der Trägheit der Endolymphe die Sinneszellen abgeschert und somit erregt. Die Information wird von den Sinneszellen zu den motorischen Kernen der Augenmuskeln und der Halsmuskeln geleitet und beeinflusst letztendlich die gesamte Körpermotorik.

 

Vestibulariskerne

Informationen vom Vestibularapparat alleine reichen nicht aus, um die Stellung des Kopfes im Raum oder stattfindende Bewegungen zu identifizieren, da der Kopf unabhängig vom Rumpf beweglich ist. Aus diesem Grund erhalten die Vestibulariskerne noch Informationen von Muskeln, Sehnen und Gelenken des Halsbereichs und vom visuellen System. „Es gibt neuronale Verbindungen, sog. Kommissurenfasern, zwischen den Vestibulariskernen beider Seiten, mit deren Hilfe Meldungen von den beiden Vestibularorganen miteinander verrechnet werden. Diese Verrechnungen erhöhen die Sensitivität des zentralen vestibulären Systems insbesondere gegenüber kleinen Beschleunigungen.“ (Klinke und Silbernagl (Hrsg.), 2003, S. 601)

Die Ausgänge der Vestibulariskerne verlaufen ins Halsmark, die Formatio reticularis, zu den Augenmuskelkernen, zum Kleinhirn, zum Thalamus und weiter zum Kortex. Diese Verbindungen benötigt man für die Gleichgewichtshaltung, die Steuerung der Augenbewegungen, die Feinabstimmung der Motorik und die bewusste Empfindung von Körperstellungen.

 

Quellen:

Bartels H.: PHYSIOLOGIE: LEHRBUCH UND ATLAS. München, Wien, Baltimore: Urban und Schwarzenberg. (2001).

Klinke R., Silbernagl S. (Hrsg.): LEHRBUCH DER PHYSIOLOGIE. Stuttgart, New York: Thieme. (2003)

Gleichgewichtssinn